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JAHRESTHEMA 2021 ORIGINAL UND REPRODUKTION


36. LEIPZIGER GRAFIKBÖRSE
27. Februar - 18. April 2021

Seit 2018 gehören die traditionellen druckgrafischen Techniken zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Anlass für den Kunstverein Duisburg, dieses wichtige Medium 2021 mit einer Präsentation der LEIPZIGER GRAFIKBÖRSE in den Fokus zu rücken. Da sich der Kunstverein 2021 dem Jahresthema „Original und Reproduktion“ widmet, könnte keine Ausstellung einen passenderen Auftakt bilden.

Die Leipziger Grafikbörse, seit 1991 als eingetragener Verein fortgeführt, setzt die Tradition einer Leipziger Künstlergruppe aus dem Jahre 1972 fort, deren Gründungsanliegen die Eigenständigkeit der grafischen Künste gegenüber Malerei und Plastik in der öffentlichen Wahrnehmung bildete. Der Verein versteht sich als Zusammenschluss von bildenden Künstlern wie von Freunden, Förderern und Sammlern druckgrafischer Kunstwerke, denen die Förderung und Publizierung der zeitgenössischen Druckgrafik Anliegen ist.

Hortus secretus lautet das Thema für die 36. LEIPZIGER GRAFIKBÖRSE 2020/21 – ein „geheimnisvoller Garten“ mit der Bedeutung von „einsam“, „intim“, „entlegen“, „verschlossen“, auch „privat“. Das kann ein konkreter Ort sein oder ein Ort, dessen Lage nicht feststellbar ist, oder aber die Vorstellung von Dingen, die sich dem allgemeinen Verständnis entziehen und schwer zu fassen sind. Vielleicht ist es auch ein gedankliches Spiel, den Einzelnen betreffend wie gesellschaftliche Gruppen. Solcherart vieldeutig soll das Thema sein – nach Aufhebung von Grenzen strebend, nach Auswegen suchend, Lösungen anbietend, auch bildliche …

Kuratur: Jannine Koch



Seit der Ernennung der druckgrafischen Techniken zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO finden jährlich am 15. März deutschlandweit besondere Ausstellungen, Workshops oder andere Vermittlungsangebote zum Thema Druckkunst statt.
Da wir aktuell im Rahmen der 36. LEIPZIGER GRAFIKBÖRSE mehr als 102 Originalgrafiken ausstellen, haben wir den Tag der Druckkunst zum Anlass dafür genommen, eine der ausstellenden Künstler*innen, Karin Brosa, einzuladen und sie selbst über die Entstehung ihrer Radierung virtual greenhouse sprechen zu lassen.









Grafik der Woche 7/7
Jannine Koch
The Mechanical Bug, 2018, Farbradierung von 2 Platten, 81 x 60 cm, 2020

Jannine Kochs Arbeiten zeichnen sich durch Vielfalt aus, wobei Malerei und Druckgrafik einen Schwerpunkt bilden. Nach ihrem Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zog sie ins Ruhrgebiet, wo sie seitdem lebt und arbeitet. Inhaltlicher Bezugspunkt ihrer Malereien und Grafiken ist das Erleben einer hochtechnisierten und zunehmend digitalen Welt, mit der sie sich seit vielen Jahren kritisch auseinandersetzt. Während ihre Arbeiten auf Leinwand dies oft direkt ansprechen, kommen die Druckgrafiken wesentlich subtiler daher. Einen Schwerpunkt bilden Tiefdrucke, deren Ausgangspunkt das faszinierende Universum der Kartografie ist. Seit einigen Jahren kombiniert Koch diese Formen mit der organischen Struktur von Insekten, woraus die sogenannten "Kerbtiere", Zwitterwesen aus Natur und Technik, entstehen.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat die Künstlerin mit Mechanical Bug ein genau solches Zwitterwesen ausgewählt. Inspiriert wurde die Grafik durch den dystopischen Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, in dem ein „mechanischer Hund “ vorkommt. Dieser ist bei Koch zu einem Insekt mutiert, dass im „hortus secretus“ wohl sein Unwesen treiben wird. Denn während die zartblauen Flügel noch zerbrechlich wirken, sind Fühler und Körper bereits stilisiert und zum Kampf gerüstet.

Weitere Informationen zum Künstler:
Website: www.jannine-koch.de
Instagram:#janninekoch



Grafik der Woche 6/7
Soenke Thaden
Gewächs 10, 2018, Radierung in zwei Farben, 77 x 55 cm

Im Zentrum des malerischen und grafischen Schaffens von Soenke Thaden steht die Beschäftigung mit Pflanzen- und Tierdarstellungen. Hierbei bildet die Ätzradierung einen Schwerpunkt. Neben klassischen Techniken wie Aquatinta, Vernis mou oder Strichätzung hat sich der Künstler durch die unkonventionelle Handhabung des Prägedrucks ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet. Anstatt Teile der Radierplatte abzudecken, bearbeitet er das Metall so intensiv, dass Durchbrüche entstehen, die dann als „Fehlstellen“ im Druck erscheinen.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat der Künstler aus einer Serie von Pflanzendarstellungen die Arbeit Gewächs 10 ausgewählt. Die weißen Aussparungen des Pflanzenelements in der Bildmitte fesseln den Betrachter sofort; man fühlt sich an ein Wurzelgebilde oder die schematische Darstellung von Molekülverbindungen erinnert. Der intensive, unnatürlich wirkende Farbton verstärkt zusätzlich den surrealen Charakter des Blattes, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Weitere Informationen zum Künstler:
Website: www.soenkethaden.de



Grafik der Woche 5/7
Harald Alff
Indoor Growing, 2020, Farblinolschnitt, 39 x 57 cm

Neben Arbeiten im öffentlichen Raum liegt der Schwerpunkt des Leipziger Künstlers Harald Alff auf dem Hochdruck. Im Zentrum seiner oft monochrom angelegten Holz- und Linolschnitte stehen menschenleere Stadtlandschaften, die nicht nur einladend und nahbar, sondern auch seltsam fließend wirken. Dies erreicht Alff, indem er klar umrissene Architekturelemente wie z. B. Fenster oder Häuser abgerundet ins Bild setzt.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat der Künstler mit Indoor Growing eine Arbeit geschaffen, welche das diesjährige Thema der Grafikbörse (hortus secretus // Der geheime Garten) - ad absurdum führt. Zwischen Lampen, Kabeln und Plastikkanistern leuchten die illegal angebauten Cannabispflanzen in sattem Grün, während der Umraum durch die gedämpfte Farbigkeit in den Hintergrund tritt.

Weitere Informationen zum Künstler:
Facebook: harald_alff    Instagram: #harald_alff    Website: www.harald-alff.de



Grafik der Woche 4/7
Petra Schuppenhauer
Aus der Antarktis-Suite: Dämmerung, 2020, Farbholzschnitt, 100 x 149 cm

Die gebürtige Hamburgerin Petra Schuppenhauer arbeitet als Illustratorin und Druckgrafikerin in Leipzig. Ausgangspunkt ihrer Holzschnitte sind Natureindrücke besonderer, zuletzt extremer Landschaften. Sie bestechen durch ihre verhaltene Farbigkeit, die sich jedoch erst durch vielfache Überlagerung von einzelnen Farbabstufungen aufbaut. Von ihnen geht eine große Stille und Friedfertigkeit aus, die dem Betrachter ermöglicht, gedanklich wunderbar in diese Landschaften einzutauchen.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat die Künstlerin den großformatigen Holzschnitt Dämmerung eingereicht. Gedruckt wurde vom auf Pappelsperrholz gearbeiteten Druckstock bei Thomas Siemon in der Leipziger Werkstatt carpe plumbum. Dabei ist Petra Schuppenhauer dem Prinzip der verlorenen Form gefolgt. Hierbei werden unter Verwendung ein und desselben Druckstocks zunächst all die Partien vom Holzstock entfernt, die im Druck weiß erscheinen sollen. Danach wird in der hellsten Farbe (z. B. hellblau) gedruckt und anschließend all jene Partien aus dem Holz geschnitten, die hellblau stehenbleiben sollen usw. Am Ende bleiben vom Druckstock nur die Bereiche stehen, die in der letzten, der dunkelsten Farbe, gedruckt wurden. Die restlichen Stufen sind „verloren“. Motivisch versetzt uns die Künstlerin in die Abendstimmung einer kargen Landschaft, welche durch den Farbverlauf im Hintergrund zusätzlich an Atmosphäre gewinnt. Neben ihrem großformatigen Holzschnitt ist Petra Schuppenhauer innerhalb der 36. Leipziger Grafikbörse auch mit einer Gemeinschaftsarbeit der Künstlergruppe „augen:falter“ vertreten.

Weitere Informationen zur Künstlerin:
Facebook: Petra Schuppenhauer    Instagram: #schuppenhauerpetra    Künstlergruppe Augenfalter: www.augenfalter.de



Grafik der Woche 3/7
Kristin Finsterbusch
Kompromiss I, 2019, Fotopolymerdruck, 15 x 20 cm

Kristin Finsterbusch arbeitet im Bereich Zeichnung, Druckgrafik und Fotografie. Ihre Arbeiten sind stets seriell angelegt, zwischen den einzelnen Medien gibt es zudem vielfältige Querverbindungen. Im Zentrum stehen Stillleben, in denen Insekten und andere Fundstücke als Protagonisten auftreten. Diese werden entweder durch die Kombination mit naturfernen Materialien surreal verfremdet oder durch Überlagerung und Unschärfe zu abstrakten Kompositionen weiterentwickelt.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat die Künstlerin mit Kompromiss I eine vor allem auch technisch interessante Arbeit geschaffen. Ihre Herangehensweise beschreibt die Künstlerin wie folgt: „Ausgangspunkt meiner Serien im Bereich des Fotopolymerdrucks ist die Fotografie. Aus meinem Fundus von Sammelstücken aus der Natur oder anderen kleinen Dingen stelle ich ein Arrangement zusammen, das ich als Miniatur-Stillleben in Szene setze und fotografiere. Dies ist die Grundlage meiner Fotoradierungen (Fotopolymerdrucke) aus der Serie Kompromisse. Daran anschließend erfolgt der Belichtungsprozess, das Auswaschen und Aushärten der Platte. Um eine geheimnisvolle, tief wirkende Stimmung zu erzeugen, habe ich die Platte in zwei unterschiedlichen Farben deckungsgleich übereinander gedruckt (in Anlehnung an den 4-farbigen Offsetdruck). In dieser Serie entstanden verschiedene Nuancen in Braun,-Blau-und Grüntönen.“

Weitere Informationen zur Künstlerin:    www.kristinfinsterbusch.de    Instagram: #kristinfinsterbusch   



Grafik der Woche 2/7
Katja Lang
Erzgebirge, 2019, Kaltnadelradierung, 66 x 50 cm

Ausgangspunkt vieler Arbeiten der Berliner Künstlerin sind Natureindrücke, denen sie in aufwändigen und sensiblen Druckgrafiken oder Aquarellen Ausdruck verleiht. Dabei sind immer wieder Parallelverbindungen zu anderen Künsten wie Literatur und Musik zu beobachten. Diese verschiedenen Welten treffen in von ihr gefertigten Künstlerbüchern kongenial aufeinander und regen zum intensiven Schauen und Erleben ein.

Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat die Künstlerin mit Erzgebirge eine Kaltnadelradierung ausgewählt. Diese Technik, bei der mit der Radiernadel ohne Einsatz von Säure Vertiefungen in die Zink- oder Kupferplatte eingebracht werden, fasziniert durch ihre Direktheit und Reduktion. Katja Lang verzichtet konsequenterweise auch im Druck auf den effektvollen Einsatz von Farbe, wodurch sie den Betrachter in genau die Stille und Unaufgeregtheit versetzt, welche einer Schneelandschaft eigen ist.

Weitere Informationen zur Künstlerin:    www.katja-lang.com    Instagram: #katjalang_artist    Facebook: www.facebook.com/katja.lang.7737



Grafik der Woche 1/7
Gudrun Petersdorff
Hinter alten Mauern, Frankreich 2020, Holzschnitt in Farben, 58 x 66cm

Gudrun Petersdorff bezieht ihre Inspiration aus dem, was sie unmittelbar umgibt. Davon fertigt sie direkt vor Ort spontane Skizzen oder Zeichnungen an, die ihrerseits Ausgangspunkt für Malereien oder Druckgrafiken sein können. Wiederkehrende Motive sind Landschaften und Gärten, aber auch Figuratives oder die Stadt als Lebensmittel- und Bezugspunkt bilden eine feste Größe in ihrem OEuvre. Während die Zeichnungen farbig zurückhaltender sind, kennzeichnet die Grafiken und Malereien eine Liebe zur Fläche und Reduktion, die nicht selten mit kräftigen Farben und verspielten Strukturen einhergeht. Für die 36. Leipziger Grafikbörse hat Gudrun Petersdorff einen Holzschnitt eingereicht, von dessen opulenter Farbigkeit man sofort gefangen genommen wird. Bei genauerem Hinsehen nimmt man die sinnliche Struktur des Holzes wahr sowie das facettenreiche Farbspektrum innerhalb des Blattes, welches durch Übereinanderdrucken einzelner Farben bzw. Platten entsteht. Motivisch fühlt man sich sofort in den mediterranen Sommer Frankreichs versetzt, wo sich Hinter alten Mauern die eine oder andere Begebenheit zugetragen haben mag, unseren Blicken verborgen.

Weitere Informationen zur Künstlerin:    www.gudrun-petersdorff.de    Instagram: #gudrunpetersdorff





Die Ausstellung wird von Siftung der Sparkasse Duisburg gefördert.
Marcel Groß von der Sparkassenstiftung vor einem Holzschnitt von Franziska Neubert